Es ist tatsächlich schon die Hälfte der Studienzeit vorbei und auch die Hälfte meines gesamten Aufenthalts. Deshalb möchte ich einmal rückblicken.
Generell hat bisher alles recht gut geklappt. Bis auf den einen Unikurs, den ich nicht anrechnen lassen kann; und mein Pech mit dem Roller, lief das meiste sehr gut. Ich habe regelmäßig Kontakt zu Amerikanern, spreche dementsprechend wesentlich mehr Englisch als in meiner Zeit in England und lerne immer wieder neue Leute kennen. Und in Pacific Beach zu leben ist einfach traumhaft. Es gibt überall Palmen, von fast jeder Straße sieht man das Meer, die Leute sind soo locker und nett. Es ist einfach ein dauerhaftes Urlaubsgefühl, was das Studieren nicht immer leicht macht. Außerdem habe ich nicht zugenommen (glaube ich zumindest, habe keine Waage hier). Also alles super hier. Hätte ich die Wahl, ich würde sofort für längere Zeit hier her zurückkommen.
Wenn es nur nicht so teuer wäre… Vor allem so simple Dinge wie Toilettenpaper (unter 8$ nicht zu bekommen), Müllsäcke, Spülmaschinentabs, Körperpflege etc. ist einfach unglaublich teuer. Ich verstehe auch sehr gut, dass wer hier kein Geld hat, zu McDonalds geht. Selbst Rohprodukte (ich erinnere an die Mandeln und Nüsse generell) sind so teuer, dass es tatsächlich teurer ist, Dinge selbst herzustellen, als sie zu kaufen (Kuchen, Gebäck, Brot , ganze Gerichte etc.). Das ist meiner Meinung nach nicht förderlich und ich kann es auch nicht wirklich nachvollziehen.
Mittlerweile kann ich wohl auch eine leichte Version des Kulturschucks erkennen. Während meiner Reise mit Stephan war natürlich alles toll, weil neu, auch in den ersten Wochen noch. Doch dann habe ich sehr schnell angefangen mich über viele amerikanische Dinge lustig zu machen und versucht alles hier nicht ernst zu nehmen. Besonders, weil viele Dinge hier so sehr auf Europa bezogen sind und ich das Gefühl hatte, dass Amerika garnichts Eigenes hat und es Amerika quasi garnicht gibt. Mittlerweile sehe ich das eher als eine positive vorwärtsdenkende Eigenschaft. Konkret meine ich damit zum Beispiel: als wir am Wochenende weg waren, mit Scott und Freunden, war die Zusammensetzung wie folgt. Scott ist Amerikaner, sein Vater ist Portugiese; seine Freundin Kat ist Amerikanerin, ihre Eltern kommen aus Taiwan; die Eltern eines anderen Freundes kamen von den Philippinen und dann waren noch zwei Mexikaner dabei. Und genau das ist Kalifornien. Offensichtlich sind die Ethnizitäten in anderen Bundesstaaten weitaus nicht so vermischt. Aber diese Vielfalt, die hier so selbstverständlich und unvoreingenommen gelebt wird, wie ich es sonst noch nirgends erfahren habe, macht Kalifornien besonders weltoffen und vielfältig.
Obwohl ich mit meinem Roller immer noch regelmäßig Probleme habe (und mich das viel Geld kostet) steigt mein Interesse für Roller und Motorräder stetig. Ich werde öfter mal wegen meines Rollers angesprochen und habe fest vor in Deutschland den Motorradführerschein zu machen, um mir dann auch einen Roller zu kaufen, auch wenn man ihn zu hause aufgrund des Wetters nicht ganz so oft nutzen kann. Hier regnet es nämlich so gut wie nie, das ist einfach wunderbar. Ich geh dann mal unsere immer noch wunderschün warmen 25° genießen!